Im Sommer steht gegen Mitternacht ein diffuses Nebelgebiet im Sternbild Schwan (Cygnus) im Zenit über uns, der Gamma Cygnus Nebel.

Benannt ist der Nebel nach dem dominanten Stern Gamma Cygni, welcher auch den Beinamen Sadr besitzt und inmitten des Nebels sichtbar ist. Sadr ist jedoch nicht Bestandteil des Nebels, da er mit 1800 Lichtjahren tatsächlich nur auf halbem Weg zwischen uns und dem Nebel liegt. Der arabische Name Sadr bedeutet Brust, denn Sadr liegt in der Brust des Sternbilds Cygnus, einem stolzen Schwan mit ausgebreiteten Flügeln.

Dieses Gebiet in der Milchstraße ist reich an Sternen, Wasserstoff-Wolken und dunklen Staubbändern. Es ist eines der nächstgelegenen großen Milchstraßenregionen zu unserem Sonnensystem.

image
Gamma Cygni in der Mitte des Sternbilds Cygnus – Quelle: Wikipedia

Im nachfolgenden Bild huscht zufällig auch ein Meteor, vermutlich ein Perseid, durch die Aufnahme von unserem Mitglied Engelbert Vollmer. Der Meteor ist als grüner Strich erkennbar. Die Aufnahme zeigt einen großflächigen Himmelsausschnitt von etwa 9°x5° – unser Mond würde in den Bildausschnitt ca. 180-mal hineinpassen.

Die Nebelregion ist etwa 20 Minuten ohne Filter und etwa 135 Minuten mit einem Schmalbandfilter aufgenommen, der das dominante Leuchten von Wasserstoff (H-alpha) und Sauerstoff (Oiii) durchlässt.

Gamma Cygni Nebula scaled

Einzelne Deep Sky Objekte in diesem Bild sind eigenständig benannte und häufig fotografierte Objekte. So ist z.B. mittig links der Propellernebel (Simeis 57) zu erkennen, links unten neben dem Meteor der Schmetterlingsnebel (IC 1218) und oben rechts der helle Mondsichelnebel (Crescent Nebula NGC 6888).

Schmalband Aufnahmen im H-alpha Lichtspektrum machen die Nebel in der Region rund um Sadr am Besten sichtbar und zeigen die Kontraste zwischen hellen Gasnebeln und dunklen Molekülwolken, die das Licht der dahinter liegenden Sterne verschlucken.

gamcyg ha001
Gamma Cygni Nebel im H-alpha Licht mit 200 mm Objektiv – Aufnahme von Nico Gärtner

Die nachfolgende Aufnahme von Nico Gärtner zeigt den Crescent Nebula in seinen schönsten Details. Das Foto wurde mit einem Newton Teleskop mit 1000 mm Brennweite und einer gekühlten monochromen Kamera aufgenommen und die Belichtungszeit für Schmalband und RGB Filter beträgt insgesamt ca. 20 Stunden!

crescent FINAL
Crescent Nebel – je 9,5h Belichtungszeit im H-alpha und Oiii Spektrum , sowie 1h RGB Aufnahme kombiniert

Der Crescent Nebel mit dem Katalogeintrag NGC 6888 ist der berühmteste Nebel in dieser Region. Er verdankt sein auffälliges Aussehen einem Wolf-Rayet-Stern, der seine äußeren Schichten aus Wasserstoff und Sauerstoff abstößt und sie durch seine starke UV-Strahlung zum Leuchten in Rot bzw. Blau anregt. Wolf-Rayet-Sterne sind sehr heiße, massereiche Sterne mit extrem starken Sternwinden. Der Nebel hat eine Länge von etwa 25 Lichtjahren.